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Da sollte einer mal was tun!

“Da sollte einer mal was tun!”

In der Vergangenheit ist mir der Satz oft begegnet. Meist innerhalb irgendwelcher Menschengruppen, die gemeinsam etwas lösen wollten, oder bei Menschen, die in Anbetracht einer Situation ein gewisses Unbehagen verspürten.

Doch was verbirgt sich hinter dem Satz, was meint der Sprecher damit?


„Da sollte (Möglichkeitsform) einer (unbestimmte Ansprache) mal (unbestimmte Zeitangabe) (et-)was (allgemeine Formulierung) tun (oh… das erste sinnvolle Wort)!“

Eigentlich könnte er sagen: „Ich find das doof!“, das würde genauso viel bewirken, es wäre nämlich bloß ein Ausdruck der eigenen Unzufriedenheit.

Aber die Äußerung des eigenen Befindens hinterlässt in diesem Fall eher das Gefühl von Bockigkeit. Also plustern wir uns auf, formulieren einen Appell, wohl darauf bedacht, eine allgemeingültige und nicht zielgerichtete Aussage zu machen, die bloß keine Verbindlichkeit mit sich bringt, und mit der wir niemandem auf die Füße treten.

„Irgendwer wird sich schon drum kümmern, denn so kann das ja wirklich nicht weiter gehen !“

Diese unverbindliche Aufforderung hat mittlerweile viele unterschiedliche Gesichter angenommen.

Demonstranten, Probemblogger, und natürlich die Medien, die immerzu auf Missstände hinweisen.

„Was hat der denn gegen Demos?“ mag der ein oder andere jetzt denken. Ich hoffe, ich kann meinen Gedankengang verständlich darlegen:

Demos wollen die Öffentlichkeit meist auf ein Problem hinweisen. Dann finden die Demonstranten neue Anhänger, werden immer mehr, bis eine gigantische Welle losbricht, die genau welche Auswirkung auf das Problem hat?

Keine! Irgendwann wird ne neue Sau durch den Ort getrieben, und die Welle verebbt, übrig bleiben vielleicht ein paar kleine Pfützen.

Für die Mathematiker unter den werten Lesern möchte ich noch eine kleine Rechnung zum Thema Demonstration anbringen:
2.000 Menschen demonstrieren 4 Stunden in der Innenstadt. Das sind 8.000 Mannstunden, also 333 Manntage.
Würden also 333 Personen sich mit Taten engagieren, könnten jeder von ihnen 24 Stunden lang etwas bewegen! Wenn wir die nun zu Fünferteams strukturieren, was sicher sinnvoller wäre als so viele Einzelkämpfer, so könnten diese Teams bei einer Arbeitszeit von acht Stunden insgesamt 284 Tage arbeiten, also über ein halbes Jahr lang!

Nun, dass neun Frauen kein Kind in einem Monat austragen ist mir auch klar, aber das Potential ist gigantisch! Statt dessen laufen Demonstranten lieber 4 Stunden durch die Innenstadt….

Hauptsache, es wurde was fürs Gewissen gemacht, gegen diese kleine, nervige Stimme der Betroffenheit.

Das einzige, das wirklich Auswirkung hat, ist die Initiative und das Engagement derer, die das Problem mit zielgerichteten Taten angehen.
Den einzigen Sinn, den eine Demonstration tatsächlich haben könnte ist der, dass man diejenigen, die etwas tun, moralisch unterstützt und anfeuert, durchzuhalten.

Zu dem klassischen „Love it, change it or forget it“, gesellt sich also noch das „support those, who change“, was meiner Ansicht nach oft mit dem „change it“ durcheinandergekegelt wird.

Ein Beispiel:

Die armen Hunde auf den Mittelmeerinseln, Ihr kennt das Thema, Detail erspare ich.

„Love it!“ : Oh, toll ich hasse Hunde von ganzem Herzen, solln sie alle krepieren!

„Change it“: Ich fahr runter und rette einen oder zwei, indem ich sie mit nach Hause nehme oder gründe eine Hilfsorganisation.

„Support“ : Ich bin bereit, helfende Organisationen monetär oder mit meiner Arbeitskraft zu unterstützen.

„Forget it“: Schlimmes Thema, aber nicht schlimm genug, als das ich etwas machen werde!

Da oft der letzte Punkt der zutreffende ist, man sich mit dieser Meinung aber gefährlich von der Gesellschaft zu entfernen riskiert, muss eine Brücke her. Irgendetwas, was mich zur Gruppe der Besorgten zählt, aber gleichzeitig unverbindlich ist.

„Da sollte einer mal was tun!“ ist da schon eine tolle Lösung, vor allem, wenn der Satz mit hochrotem Kopf und voller Empörung ausgesprochen wird! Dann könnte man glatt eine folgenbehaftete, emotionale Regung zu Gunsten der Sache vermuten….
Oder auch, wenn weise diskutiert wird, ob sich ein Engagement wirklich lohnt, und wenn ja, in welchem Umfang, und darüber hinaus überlegt wird, welche Parameter noch herangezogen werden müssen, um die Zeit zu überbrücken, bis der Hype vorbei ist.

Ich habe früher oft gedacht und gesagt: „Da sollte einer mal was tun!“, doch heute habe ich gelernt, mir meine Stimme der Empörung mal genauer anzusehen. Wenn ich diese Stimme frage:“Was bist Du bereit, dagegen zu tun?“ kommt in der Regel keine Antwort.

Das sind die Momente, in denen ich zu meiner Haltung stehe, den Mund halte, und mir all jene ansehe, die toben, schreien, sich aufplustern, und ich lächle amüsiert, wenn ich sie Tage später beim nächsten Aufregungshype wieder sehe… tobend, schreiend, sich aufplusternd, .

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